Deutscher Buchpreis 2009

Der deutsche Buchpreis ist dieses Jahr an Kathrin Schmidt verliehen worden! Hätte ich eines ihrer Werke schon vorher gelesen, hätte ich wohl einen interessanteren Kommentar schreiben können.  Der Roman geht um eine Frau, die aus einem Koma erwacht und an Aphasie leidet.  Die Rezension der FAZ meint:

Man ist bei einer Autorin wie der 1958 in Gotha geborenen, in Berlin lebenden Kathrin Schmidt für einen kurzen Moment verführt, diese Geschichte eines brutalen Umbruchs auf die DDR zu beziehen. Das Sprechverbot wäre eine wunderbare Metapher für die Folgen der Wende, für den Verlust alles Vertrauten, wenn innere, veraltete Bilder nicht mehr kommunizierbar scheinen. Selbst Helenes wuchtig einschießende Erinnerung an ihre Liebesbeziehung zu Viola, einer transsexuellen Frau, wegen der sie sogar überlegte, ihren Mann zu verlassen, ließe sich als das schlechthin Janusköpfige deuten: Orientierungslosigkeit und Verführung in Ost wie West. Im Kern geht es um Aufarbeitung von Vergangenheit: „Hat die Gegenwart sie als Geisel genommen, um die Vergangenheit freizupressen?“ Und ist es Zufall, dass ebendiese Affäre, die sich zuletzt vor allem aus E-Mails nährt, schließlich an Projektionen zerbricht? . . . Spätestens hier wird man von dieser verengenden Sicht abkommen müssen, weil sie eine wichtigere Auseinandersetzung verstellt.

In dieser Hinsicht steht der Roman in einer interessanten Beziehung zu der Tendenz, die manche Kritiker in den Neuerscheinungen dieses Jahres zu beobachten geglaubt haben, nämlich eine Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Bosonderen.  Ein Interview mit Günter Grass kommt mir wieder ins Gedächtnis, in dem er meinte, die Wende samt ihrer Problematik von Enttäuschung und Identitätsverlust sei das große Thema der jüngeren Generation von deutschen Schriftstellern.  Dabei hat er aber auf meine Generation hingewiesen, aber dennoch nützen wir Jubiläen als Gelegenheiten zum Nachdenken wie zum Gedenken.  Ich fühle mich aber nicht qualifiziert, um genauer auf die Frage einzugehen, ob und inwiefern diese Tendenzen sich in den Literaturpreisvergaben dieses Jahr zeigen.

Doch sind solche Literaturpreise sowieso reif für Kritik, wie die, dass man nur Bestsellers mit Preisen auszeichnet, oder dass man diesen Autor wählt und jenen völlig vernachlässigt.  Letzten Herbst bin ich einem Vortrag über Literaturpreise beigewohnt.  Sie sollen neue oder relative unbekannte Autoren befördern, aber natürlich, wenn man sich ein solches idealistisches Ziel setzt, setzt man sich praktisch solcher Kritik aus.  In der Gesprächsrunde nach jenem Vortrag fiel der Name Christian Kracht, der offensichtlich nicht auf dem Shortlist des Bremer Buchpreises stand, wenn ich mich richtig erinnere.  Leider konnte ich nicht herausfinden, warum, obwohl ich seinen jüngsten Roman bestellt habe und ihn mich überraschend viel Lesevergnügen verschlungen habe.

Nach dieser Diskussion habe ich einige Bücher bestellt, die in den letzten Jahren Preise gewonnen haben.  Das erste auf meiner Liste war Uwe Tellkamps Der Turm. Mit 950 Seiten hat es fast fünf Monate gedauert, bis ich den Roman zu Ende gelesen habe, das habe ich Graduate School zu verdanken.  Ich fand den Roman gut und intelligent geschrieben, und auch teilweise herausfordernd.  Da ich mich für die Kulturpolitik der DDR interessiere, fand ich den Roman desto interessanter und lesenswerter.  Meine persönliche Meinung von solchen Preisen ist nach wie vor ambivalent, Uwe Tellkamp hat das nicht geändert.  Allerdings interessiere ich mich dafür, wer in einem Jahr gewinnt, aber andererseits wurden auch viele leicht zu vergessene Werke, seien sie Bücher, Filme, oder andere Kunstwerke mit wichtigen Preisen gekrönt.

One response to “Deutscher Buchpreis 2009

  1. Interessante Blog!

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