Category Archives: Politics

HSBC on the Future

Natural futures, courtesy of HSBC.

HSBC on the Future, Advertisement Spotted in JFK Airport, June 2013

This poster is part of an ad campaign that I spotted recently at JFK airport.  I was being shunted down the jetbridge when I got out my camera, hence the rather poor quality of the photo.  The fish has a barcode on its side, and the ad campaign itself envisions a kind of free-trade neoliberal utopia facilitated by a world saturated by technology, as exemplified by our ichthyic friend here.  You can peruse other selections here.

There’s much one could say about this campaign, and more one should say about HSBC’s astonishing criminal record  (i.e. money laundering for drug cartels).  But I’ll restrain myself and offer this image as a blurry object of contemplation.

Thoughts on a CO2 Milestone

It was reported last week that the average daily level of carbon dioxide in our atmosphere has passed 400 ppm, well above the 350 ppm that is considered acceptable to avoid catastrophic climate change.  The New York Times article on the subject includes this rather predictable and necessary acknowledgment of climate change denialists:

Climate-change contrarians, who have little scientific credibility but are politically influential in Washington, point out that carbon dioxide represents only a tiny fraction of the air — as of Thursday’s reading, exactly 0.04 percent. “The CO2 levels in the atmosphere are rather undramatic,” a Republican congressman from California, Dana Rohrabacher, said in a Congressional hearing several years ago.

It is unclear to me why they would select this one dated quote by Dana Rohrabacher, but that’s rather beside the point.  Obviously the willful ignorance of this argument is laughable, but it’s also one of the last remaining lines of argumentation available at a time when even scientists on the Koch brothers’ payroll are finding it harder to stick to to the party line. What’s interesting about this argument, though, is the long history it has.  To assume that 0.04% of the atmosphere is inconsequential is to revive the old argument that the earth’s ecosystem is capable of absorbing whatever we pump into it without any immediate consequences.  The same mentality explains the proximity of latrines to drinking water wells in many medieval European cities.1  It’s also an argument that was put forward by German industry in the era of the 19th century water trials.  Thus in 1890 one Konrad Wilhelm Jurisch of the “Wastewater Commission for of the Organization for the Protection of the Interests of the Chemical Industry in Germany” could write that the introduction of industrial waste water into the streams was justified, because the streams are natural waste ditches (“die natürlichen Ableiter der Abwässer,” 359).2

Passing the 400 ppm mark is unremarkable inasmuch as it is just another addition to the already existing mountain of evidence that our most banal quotidian activities are collectively both destructive and ultimately self-destructive.  What fascinates me about the climate-change denialists, though, is that the sum of their arguments make up a kind of Freudian kettle logic.  The science gets denied with arguments that boil down to: 1.) global warming isn’t happening, 2.) the climate is changing, but it’s not anthropogenic, and 3.) gloabl warming is good for us.  All of these points can be found in Naomi Klein’s article 2011 article for The Nation from the Heartland Institute’s Climate Conference.

1.  See Ulf Dirlmeier “Zu den Lebensbedingungen in der mittelalterlichen Stadt: Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung” 156-158 in Herrman, Bernd, ed. Mensch und Umwelt im Mittelalter. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1986. 150-160.  See also Wolfgang Schmid “Brunnen und Gemeinschaften im Mittelalter” in Historische Zeitschrift. 267.3, 1998. 561-586.

2.  Jurisch, Konrad Wilhelm. “Die Verunreinigung der Gewässer (1890)” in Bayerl, Günter and Ulrich Troitzsch (ed). Quellentexte zur Geschichte der Umwelt von der Antike bis heute. Göttingen, Muster-Schmidt Verlag, 1998. 359-360.

Jünger-Haus als Museum

Das Ernst-Jünger-Haus wird nach jahrelanger Restaurierung Jünger-Fans aus aller Welt als Museum zugänglich gemacht. Die FAZ hat einige interessante Überlegungen zu diesem “Haus letzter Hand” heute veröffentlicht.  Der Artikel ist lesenswert, nicht nur wegen des Bildes der unheimlichen Büste Jüngers, die offensichtlich zu den Sehenswürdigkeiten im Jünger-Haus in Wilfingen zählt.

Kostenlose Donnerstags in den staatlichen Museen zu Berlin

Die momentan herrschende Sparpolitik geht leider voran.  Erst vor kurzem habe ich erfahren, dass kostenloser Eintritt Donnerstag Abends in die staatlichen Museen zu Berlin seit über einem Monat Geschichte ist.  Das ist ja nicht nur ein bedauerliches Zeichen anhaltender finanzieller Schwierigkeiten sowie ein Verlust für alle Berliner, sondern auch ein Hinweis auf die Gefahren kultureller und geisteswissenschaftlicher Einrichtungen in den Ländern, wo Sparen hoch auf der Tagesordnung steht.  Es hat sich angeblich herausgestellt, dass Touristen, “die als leistungsfähigeres Publikum geltend dürfen” zunehmend das Angebot nutzten.

Die guten Nachrichten sind, dass jetzt Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr jeden Tag kostenlosen Eintritt gewährt wird.  Uns alten armen Kunstfreunde hilft das zwar nicht viel.  Für mich persönlich ist das ja bedauerlich, denn als ich in Berlin lebte war es für mich eine Art Tradition, Donnerstag Abends in den Museen zu verbringen.  Ich bin oft dahingegangen, manchmal bloß für eine Stunde oder zwei, um meine Lieblingsstücke oder interessante Artefakten zu betrachten.  Jahreskarten sind glücklicherweise nicht so teuer, der Preis einer solchen für Daueraustellungen beträgt nur 40 Euro, und wenn ich wieder in Berlin bin, werde ich mir wohl eine besorgen, dann könnte ich jederzeit ins Museum gehen.  Aber es kommt eigentlich nicht darauf an, was ich mir selber leisten kann.  Es kommt darauf an, dass der staatliche Kulturbesitz allen zugänglich ist.  Einige kostenlose Stunden sind wirklich nicht zu viel gefragt, und somit muss Kultur nicht unbedint nur denjenigen offen stehen, die das Geld hergeben kann.  Schade ist es auch, dass nur an das Touristengeld wird hier gedacht, als stellten die kostenlosen Abends eine Geschäftsgelegenheit dar, die man noch nicht gezapft hätte.  Eben das ist das Besorgniserregende an die Änderungen der Eintrittspreiseregelungen.

Über den Stuttgarter Bahnhof und die Erhaltung historischer Orte

“Warum darf sich Architektur nicht verändern?” fragte Timo John gestern in der FAZ. Die Kontreverse um den Stuttgarter Bahnhof nimmt zu, wenn man von den Schlagzeilen in den überregionalen Zeitungen ausgeht.  Es geht um einen Rückbau mancher Teilen dieses denkmalgeschutzten Gebäudes, die in den zwanziger Jahren gebaut wurde, im Krieg sehr stark beschädigt wurde, in den 50ern Jahren nicht 100% orginialgetreu wieder aufgebaut.

Die Werte, die solchen Erhaltungsimpulsen zugrundelegen, sind selbstverständlich hinterfragbar, und insofern hat der Autor Recht, warum darf sich Architektur nicht verändern?  Man denkt etwa an Rom, wo Generationen von Einwohner über Jahrhunderte hinweg die Bauten und Denkmäler ihre Vorgänger erweitert, umgebaut, oder zu völlig neuen zwecken beansprucht haben.  Heute können wir solche Veränderungen kaum verdammen, und hätten wir zu den Zeiten gelebt, als der Pantheon eine christliche Kirche wurde oder man eine Statue des Aposteln Petrus auf die Trajanssäule gesetzt hat, wäre es uns wohl nicht einmal eingefallen, Protest zu erheben.

Die Frage erinnert mich aber an einen Vortrag von Rem Koolhaas hier an der Cornell University letzten April.  Eines seiner Projekte, eine Erweiterung von Sibley Hall an Cornell, befindet sich jetzt im Bau.  Koolhaas hat seinen Publikum einige seiner Projekte vorgestellt, manche realisiert, andere nicht, und ging auf einige seiner Theorien ein.  Er ist für seine Ideen über die “generic city” bekannt.  So weit ich das verstehe, meint er damit Städte, die wenig “identitätsstiftendes” an sich haben und ein Minimum an historischen Gedächtnis speichern.  Am Ende beschrieb er eine Idee für Harvard in Cambridge, Massachusetts für den Charles River.  Das Problem war, dass die denkmalgeschützten Gebäude das Wachsen der Universität und der Stadt im Wege hindern.  Darüber hinaus ist der Fluss eine unnötige Grenze, die sich durch den Campus zieht, denn alle wollen auf dem einen Ufer sein und keiner auf dem anderen.  Für Koolhaas überschauen jegliche Erhaltungsimpulse die Tatsache, dass die Gebäude und der Lauf des Fluss selbst gar nicht so historisch sind.  Die Universität liessen die Gebäude mehrmals umbauen lassen und so den historischen Charakter öfters zerstört.  Und das Flussbett selber hat seine gegenwärtige Gestalt eher menschlicher Hand zu verdanken.  Sein Vorschlag:  das Flussbett so ändern, dass der völlig um den Campus fließt, und den Campus damit vereinigen und einge Menge Parkland daraus gewinnen.

Das Publikum hat dazu gelacht, aber er bestätigte, dieser Plan war in vollem Ernst gemeint.  Und eigentlich sind solche Vorhaben gar nicht neu oder revolutionär.  Andererseits hat sein Vortrag mich persönlich tief beunruhigt.  Auch wenn Koolhaas in mehreren Punkte Recht hatte, schien er kaum an die sozialie Auswirkungen seiner Theorien und seiner Praxis gedacht zu haben.  Warum sollen wir jeder Hühnerstall aus der Römerzeit erhalten?  Andererseits hat sein Vortrag neoliberalen Ideologien sehr stark nachgehallt, und für ihn war das auch gut so.  Er begann mit der problematischen Behauptung, der Diskurs des Marktes sei der letzte auf der Welt, was nicht nur andere Diskurse (so relativ schwach sie sein mögen) sondern auch die Möglichkeit anderer Diskurse ganz und gar ausschließt.  Was die Erhaltung “historischer” Gebäude betrifft, ist das historische wegzuwerfen, wenn es ihm und seinen Projekten im Wege steht. Vor allem problematisch aber war seine Behauptung, dass Architektur gar nicht “deprimierend” sein kann, weil der Mensch überall in allen Räumen glücklich sein kann.  Damit leugnet er aber seine eigene Rolle bei der Schaffung menschlicher Arbeits- und Wohnräume völlig ab, was ich ziemlich gefährlich finde, wenn es aus dem Mund eines “Starchitects” fällt.

Das bringt uns also endlich zurück zum Bahnhof.  Solche Indentifizierung mit “historischen Gebäuden” mag höchst problematisch sein und mag sich in einem lächerlich provinziellem Heimatdiskurs verwandeln, aber bedeutet das, dass wir das historische abschätzen sollen?  Beide Seiten der Bahnhofsdebatte haben wohl Recht und gehen wohl gleichzeitig von falschen Prämisse aus.  Einerseits soll Architektur sich entwickeln können, soll menschliche Bedürfnisse erfüllen und muss dabei nicht unbedingt seinen historischen Charakter aufopfern.  Andererseits ist es doch ein Verlust, wenn historische Architektur verschwindet.  Gleichzeitig soll man auch nicht vergessen, Erhaltung mündet leicht in Gentrifizierung, die historische Altstädte häufig zu großen Freiluft-Einkaufspassagen reduziert (Old Town Pasadena ist ein Beispiel, das sogennante “Gaslamp Quarter” in San Diego, einst Drogen- und Rotlichtviertel sowie Schauplatz der Redefreiheitsaufstände, heute überfüllt mit schicken Restaurants und Spießerkneipen, ist ein anderes).

Das bringt uns dann zu einem Problem, das über diesen einzigen Bahnhof weit hinausgeht.  Wenn wir historische Gebäude oder Stadtpläne “weiterentwickeln” oder gar abräumen, was tritt dann an ihre Stellen?  Leider häufig die “generic city,” wie sie von Koolhaas erklärt wird.  Und im Gegensatz zu Koolhaas denke ich, Architektur und Stadtplanung doch deprimierend wirken können.  Ich habe mein Bachelorstudium in dem Inbegriff einer “generic city” gemacht, nämlich Irvine, California.  Irvine beweist, wie unmenschlich Architektur und Stadtplanung sein kann (gewiss hat der Ort viele Verteidiger, die sich gegen einen solchen Ausspruch schnell wehren würden).

Es ist hier aber nicht meine Absicht, gegen die ganze moderne Architektur und Stadtplanung zu toben.  Ich will aber nur sagen, der Mensch hat ein Recht auf menschliche Wohnräume.  Die Frage wäre dann, ob eine Architektur, die dem neoliberalen Marktkapitalismus dient, solche Wohnräume überhaupt aufbauen kann.

Ein kleiner Seitenpunkt:  Irvine hat auch eine Altstadt!  Wie alle Altstädte bewahrt sie die Erinnerung an vergangene Epochen der Stadtgeschichte und üben eine identitätsstiftende Wirkung auf die ganze Stadt aus.  Sie besteht aus einigen landwirtschaftlichen Bauten, die sich zwischen den 1890ern und den 1940ern datieren lassen, und anderen “modernen” Gebäuden in “historischem” Stil.  Wie man auf der Tafel nachliest, stehen ein paar nicht an ihren historischen Stellen, also sah die Altstadt vor sechzig Jahren nicht wirklich so aus.  “Old Town Irvine” umgibt heute einen Parkplatz, viele meiner Freunde da waren sogar überrascht, als ich gesagt habe, dass Irvine eine Altstadt besitzt.

20 Jahre Mauerfall

Der Tag ist da, heute ist den 9. November 2009, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer also, und überall auf der Welt wird es bedacht und gedacht.  Ich kann mich an dem Tag erinnern:  1989 war ich fünf Jahre alt, und da waren die Bilder von den Berlinern auf der Mauer im Fernseher.  Meine Eltern, die jahrelang in Deutschland gelebt hatten, waren natürlich ganz aufgeregt, soviel habe ich mitbekommen.  Sie haben mir erzählt, was in Berlin vor sich ging, obwohl ich natürlich die historische Bedeutung dieser Ereignisse nicht begriffen habe.

Zwei Jahrezehnte später bin ich Graduate Student in einem German Departement.  In einer Stunde trifft sich der Deutschkurs, den ich unterrichte und dessen Studenten gar keine Erinnerung an das Jahr 1989 im Gedächtnis haben.  Wir haben schon unsere erste Generation von Studenten, die nach dem Mauerfall auf die Welt kam.

Die New York Times hat heute einen interessanten Kommentar von Zizek zu diesem Thema veröffentlicht. Dies hat mir am beste gefallen:

This is why today’s China is so unsettling: capitalism has always seemed inextricably linked to democracy, and faced with the explosion of capitalism in the People’s Republic, many analysts still assume that political democracy will inevitably assert itself.

But what if this strain of authoritarian capitalism proves itself to be more efficient, more profitable, than our liberal capitalism? What if democracy is no longer the necessary and natural accompaniment of economic development, but its impediment?

If this is the case, then perhaps the disappointment at capitalism in the post-Communist countries should not be dismissed as a simple sign of the “immature” expectations of the people who didn’t possess a realistic image of capitalism.

Diese Aussage ist natürlich ziemlich problematisch, weil er die Tendenz von einem autoritären Kapitalismus eher anderswo verortet.  Ich würde auch nicht behaupten, dass wir vor der Gefahr stehen, Kapitalismus und Demokratie müssen sich nicht mehr begleiten, denn wann, bitte schön, haben sie sich je außerhalb der Fantasie von Milton Friedman begleitet?  Aber Zizeks gedanken lese ich mit großen Interesse angesichts der Debatten über Gesundheitsreform hierzulande.  Angeblich geht ein bekanntes Gespenst hier in den USA um, auch wenn die Reform, die unser House of Representatives Samstag Abend verabschiedet hat, nichts als ein verwässertes Geschenk an die Gesundheitsindustrie ist.

20 Jahre seit dem Mauerfall.  Der Kapitalismus hat gesiegt, die Konsumkultur schreitet weiter, kurze Zeit lang war die Geschichte zu Ende.  Hurra.

Jünger und seine Träumesammlung

In unserem German Departement fand gestern ein Colloquium über Träume statt.  Unser Gast stellte uns eine sehr frühe Phase eines größeren Projekts vor, das um Träume nach Freud geht.  Da hat sie eine sehr interessante Tatsache über Ernst Jünger erwähnt.  Angeregt durch eine Stelle in seinem Buch Das abenteurliche Herz schickten einige Leser Jünger Briefe, in denen sie ihm Träume beschrieben.  Schaut man heute in seinem Nachlass, da findet man mehr als 5.000 Briefe von Lesern über ihre Träume.  Man fragt sich, warum man ausgerechnet Ernst Jünger ausgerechnet Traumbeschreibungen überhaupt schicken wollte, aber vielleicht ist es nur meine persönliche Meinung von Ernst Jünger, die mir solches völlig unnachvollziehbar macht.