20 Jahre Mauerfall

Der Tag ist da, heute ist den 9. November 2009, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer also, und überall auf der Welt wird es bedacht und gedacht.  Ich kann mich an dem Tag erinnern:  1989 war ich fünf Jahre alt, und da waren die Bilder von den Berlinern auf der Mauer im Fernseher.  Meine Eltern, die jahrelang in Deutschland gelebt hatten, waren natürlich ganz aufgeregt, soviel habe ich mitbekommen.  Sie haben mir erzählt, was in Berlin vor sich ging, obwohl ich natürlich die historische Bedeutung dieser Ereignisse nicht begriffen habe.

Zwei Jahrezehnte später bin ich Graduate Student in einem German Departement.  In einer Stunde trifft sich der Deutschkurs, den ich unterrichte und dessen Studenten gar keine Erinnerung an das Jahr 1989 im Gedächtnis haben.  Wir haben schon unsere erste Generation von Studenten, die nach dem Mauerfall auf die Welt kam.

Die New York Times hat heute einen interessanten Kommentar von Zizek zu diesem Thema veröffentlicht. Dies hat mir am beste gefallen:

This is why today’s China is so unsettling: capitalism has always seemed inextricably linked to democracy, and faced with the explosion of capitalism in the People’s Republic, many analysts still assume that political democracy will inevitably assert itself.

But what if this strain of authoritarian capitalism proves itself to be more efficient, more profitable, than our liberal capitalism? What if democracy is no longer the necessary and natural accompaniment of economic development, but its impediment?

If this is the case, then perhaps the disappointment at capitalism in the post-Communist countries should not be dismissed as a simple sign of the “immature” expectations of the people who didn’t possess a realistic image of capitalism.

Diese Aussage ist natürlich ziemlich problematisch, weil er die Tendenz von einem autoritären Kapitalismus eher anderswo verortet.  Ich würde auch nicht behaupten, dass wir vor der Gefahr stehen, Kapitalismus und Demokratie müssen sich nicht mehr begleiten, denn wann, bitte schön, haben sie sich je außerhalb der Fantasie von Milton Friedman begleitet?  Aber Zizeks gedanken lese ich mit großen Interesse angesichts der Debatten über Gesundheitsreform hierzulande.  Angeblich geht ein bekanntes Gespenst hier in den USA um, auch wenn die Reform, die unser House of Representatives Samstag Abend verabschiedet hat, nichts als ein verwässertes Geschenk an die Gesundheitsindustrie ist.

20 Jahre seit dem Mauerfall.  Der Kapitalismus hat gesiegt, die Konsumkultur schreitet weiter, kurze Zeit lang war die Geschichte zu Ende.  Hurra.

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